Die Münchner Küche
Die sogenannte Münchner Küche ist die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts neu geschaffene Gestalt der Küche, welche unter ergonomischer und soziologischer Betrachtungsweise gestaltet wurde. Sie wurde im Konzept des Neuen Bauens als schon beim Einziehen herrgerichtete Installation in Neubauten ausgearbeitet und erstmalig in München verwirklicht.
Die Münchner Küche lässt sich als ein Mittelweg zwischen Frankfurter Küche als ausschließlichem Arbeitsraum und klassischer Wohnküche bezeichnen und sollte die Vorzüge beider Küchenformen vereinigen. Die Wohnungseinrichtung wurde nach ergonomischen Standpunkten entworfen und arrangiert - ausdrücklich gewürdigt wurde der Rahmen aus Holz für die Spüle aus Emaille, welcher den Geschirrbruch verringerte. Die Münchner Küche sollte allerdings kein eigenständiger, eisern von den Wohnräumen getrennter Arbeitsraum wie die Frankfurter Küche sein, hingegen war sie einzig durch eine Abtrennwand aus Holz vom Speisebereich der Wohnküche abgegrenzt; ab circa einem Meter Höhe war diese Separation aus Glas, so dass der Nachwuchs im Blickfeld seiner arbeitenden Mutter bleiben konnte. Der Verbindungsweg zum Essbereich ist hier nicht durch eine Tür verschlossen, langte jedoch mit seinen zwei Meter Höhe nicht an die Zimmerdecke heran, so dass eine Art Geruchsschutz in der Machart einer fest installierten Rauchschürze entstehen und die Kinder trotz allem hörbar und fix erreichbar bleiben konnte. Der Geschirrschrank wurde in den Essbereich umgesiedelt - ein zusätzliches Entgegenkommen hin zu den traditionellen Wohnformen.
Nach dem Erfolg der Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky, knüpfte Erna Meyer, die schon mit Publikationen in diesem Fachbereich aufgefallen war, an die Idee an und regte Verfeinerungen an. Die von Meyer empfohlene Küche war zwar ergonomisch konzeptioniert, jedoch nicht durchweg eine „Arbeitsküche“ sein, sondern die Ansprüche des modernen Familienlebens einkalkulieren. Speziell bemängelte Meyer die Frankfurter Küche in der Form, dass die Kinder bei der Tätigkeit der Hausfrau nicht anwesend und - durch die geschlossenenTür - auch kaum im Auge zu behalten waren. Im Laufe der Konzeptionierung der Postversuchssiedlung designte Hanna Löv, welche mit der Möblierung von exemplarischen Wohnungen in der Siedlung beauftragt war, die Münchner Küche auf der Basis von Meyers Anregungen; die Küche wurde in den Versuchswohnstätten der Siedlung einmontiert. Das Modell der Münchner Küche lässt sich inzwischen in keiner Wohnung der Versuchssiedlung der Post mehr finden.
